Tammy – Voll abgefahren

Melissa McCarthy ist wieder im Kino zu sehen und wie überraschend, sie spielt dieselbe Rolle wie immer. Die dicke und ordinäre Ulknudel. Nur diesmal klappt das Ganze leider nicht. Obwohl sogar ihr Ehemann Ben Falcone Regie führt und sie den Film gemeinsam geschrieben haben, fehlt Tammy vor allem eines, Witz.

tammy_ver5_xlgBevor ich mehr zu dem Film sage, den ich nicht mal im Ansatz mochte, muss ich klar stellen, dass Melissa McCarthy eine wunderbare Schauspielerin ist und in ihren früheren Rollen brillierte. Doch sie spielt einfach immer denselben Charakter. Ich wünschte mir so sehr, sie mal in einer komplett anderen Rolle zu sehen.

Tammy hat das Leben nicht gerade reich beschenkt, sie verliert in den ersten paar Minuten des Filmes ihren Job, ihr Auto, ihren Mann und ihr Haus. Denn ihr Mann hat eine Affäre mit der Nachbarin und von dem Fast Food Restaurant in dem Tammy arbeitet, wird sie gefeuert. Daraufhin begibt sie sich mit ihrer Großmutter, gespielt von Susane Sarandon, auf einen planlosen Roadtrip, um ihrem Alltag zu entfliehen. Und genau das ist auch das beste Wort, das den Film Tammy beschreibt: planlos.

Die erste Szene des Filmes zeigt den Zuschauern bereits, auf was sie sich mit Tammy eingelassen haben. Dabei fährt Tammy einen CGI Hirsch an und versucht danach, mit erheblichem Abstand zu dem Tier, Mund zu Mund zu bearbeiten. Dabei hatte ich zwei Gedanken, soll Tammy als eine wirklich dumme Frau dargestellt werden, oder halten sie uns Zuschauer für dumm. Genau die Dummheit zieht sich leider durch den gesamten Film. Tammy wirkt wie eine Aneinanderreihung angeblich lustiger Ideen. Teilweise kam der Film rüber, als wären verschieden Kindheitserinnerungen von McCarthy und Falcone mit eingeflossen, welche wiederum unglaublich wirr wirken.

Manche Szenen sind komplett idiotisch, wie der Teil das Filmes, in dem Tammy sich auf macht, um eine Fast Food Filiale auszurauben. Am Weg von ihrem Auto zu dem Restaurant beginnt sie in Slow Motion zu einem Rap Song zu tanzen. Viele von euch kennen die Szene wohl aus dem Trailer und finden sie durchaus lustig. Doch wenn man das ganze genauer betrachtet macht es absolut keinen Sinn. Sie hat sich gerade dazu entschlossen, ein Fast Food Restaurant auszurauben und was macht sie jetzt? Sie tanzt in Slow Motion über den Parkplatz, wo erstens Kameras sein könnten und zweitens, warum tanzt sie überhaupt. Sie selbst hat keinen Rap Song im Hintergrund laufen. Das ganze ergibt gar keinen Sinn, hier wird der Zuseher wieder unterschätzt.

Tammy-4Eine weitere große Enttäuschung waren die vielen wirklich guten Schauspieler, die zwar im Film zu sehen waren, aber das Script was so schlecht, dass die Nebencharakter, bis auf Tammys Großmutter keinerlei Handlung hatten. Das Talent von Toni Collette, Sandra Oh, Dan Aykroyd und Kathy Bates wurde einfach verschwendet, sie wirkten als hätten sie gerade kurz am Set vorbeigeschaut und zufällig gleich einen Part in dem Film bekommen. Außerdem haben sämtliche Schauspieler keinerlei Chemie miteinander, nicht mal McCarthy und Sarandon. Da komme ich gleich zu meinem nächsten Kritikpunkt, Susan Sarandon wurde als Tammy Großmutter gecastet, obwohl sie von i
hrem eigentlichen Alter her auch ihre Mutter hätte sein können. Tammy Mutter, gespielt von Allison Janney, könnte hingegen ihre Schwester sein. Auch als sich Tammy in Bobby verliebt, haben die beide keinerlei Chemie und Bobby ist der Typ von Mann, so nett und ohne jede Ecken und Kanten ist, das man ihn sofort wieder vergisst. Ihre romantischen Szenen waren keinesfalls romantisch, sondern lediglich ungemütlich mit an zu sehen.

Tammy ist eine Zusammenarbeit von McCarthy und ihrem Ehemann Falcone, vielleicht wollen die beiden gemeinsam ein Comedy-Imperium aufbauen und nutzen dafür die Bekanntheit und die Fan Base von McCarthy. Dabei hätte sich Falcone wohl lieber auf die Regie oder das Drehbuch konzentrieren sollen, denn beides ist unglaublich schlecht und nur wenig ausgereift. Aber vielleicht wollen die beiden auch einfach nur eine eigene Filmkategorie etablieren, die Melissa McCarthy Filme, die im Grunde immer die gleiche Story und die gleichen Charaktere haben.

Tammy ist eine Mischung aus Roadmovie, Coming-of-Age-Story und Frauenpowerfilm, getarnt als Komödie. Oder zumindest wäre Tammy das gerne. Der Film lässt keine Klischees aus. Der Film ist anstößig und geschmacklos, wenn er lustig sein will und qualvoll wenn er berührend sein möchte. Beides gelingt einfach nicht. Lediglich Susan Sarandon spielt einen halbwegs interessanten Charakter, doch auch sie, bringt Zuseher n einigen Szenen bloß zum fremdschämen.

 

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